„Bestimmte Eliten“ ganz compact

Neuester Interviewpartner bei KenFM ist Friederike Beck, die ansonsten bei Compact, Kopp oder EigentümlichFrei, der neurechten AfD-Postille von André Lichtschlag, schreibt. Friederike Beck wird  dem Publikum von Jebsen einleitend als „investigative Journalistin“ vorgestellt“, die „ausgesprochen neutral“ arbeiten würde. Bei KenFM finden sie alle eine Stimme, egal ob als rassistisches CDU-Mitglied, als pseudowissenschaftlicher Schweizer Gaukler oder als noch weitgehend Unbekannter. Neutral aber sind sie alle nicht. Der sich inzwischen als links bezeichnende Ken Jebsen, der vor keinen zwei Jahren noch mit Jürgen Elsässer  gemeinsam auf der Bühne stand, nimmt das aber nicht so genau.

Im Beitragsbild sitzt die (bestimmt sehr neutrale) Friederike Beck in ihrer Eigenschaft als Compact-Autorin mit Jürgen Elsässer bei einer Veranstaltung des Querfrontblättchens am Pult – eine Eigenschaft, die sie für Jebsen gewiss sympathisch macht, hatte der doch vor nicht allzu langer Zeit den gleichen Job. Jürgen Elsässer – ist das nicht der Typ, mit dem Jebsen angeblich gaaar nichts mehr zu tun haben will? Er hat aber noch sooo viel mit ihm zu tun –  so sitzt Jebsen nicht nur mit Elsässer oder dem bei Kennie wie bei Kopp erscheinenden Willy Wimmer im Querfront-Netzwerk, es werden auch die gleichen katastrophisch-paranoiden Themen beackert. Wenn Friederike Beck bei Kopp davon schwadroniert, „wie ein Zusammenschluss von Stiftungen der superreichen Weltelite und durch sie finanzierte und mit Steuergeldern geförderte NGOs die Migration nach Europa leiten“ würde, so unterscheidet sich dies von dem von Jebsen verbreiteten, und letztendlich rassistischem Schwachsinn, dass gegen Deutschland von Eliten eine Migrationswaffe eingesetzt würde, nur wenig. Warum denn auch, wird doch das gleiche ressentimentbehaftete Publikum angesprochen.

Auch bei dem anderen ‚Partner‘ im losen Querfrontnetzwerk darf Friederike Beck erscheinen – bei der NRhZ, derjenigen Publikation, bei der auch Anneliese Fikentscher oder die Alibijüdin Evelyn Hecht-Galinski  wirken. Anneliese Fikentscher, das ist die, die mit Jürgen Elsässers Querfrontdelegation zum Händeschütteln mit Ahmadinedschad in den Iran fuhr, unter anderem mit Gerhard Wisnewski, einem als durchgeknallt geltenden Autor von ebenfalls beim Kopp-Verlag erscheinenden Verschwörungsbüchlein; der gleichfalls als hochkarätiger Interviewgast bei KenFM zugegen war.

Das Interview ist erwartbar irre. Der IS wurde zum Beispiel von den USA erschaffen, organisiere sich über Organhandel und sei als „Marke“ mit dem Namen IS nur deshalb eingeführt worden, damit militärische Operationen gegen  ihn erleichtert würden, denn: Bei Osama Bin-Laden habe es das Problem gegeben, dass er Saudi gewesen sei (autsch). Es werden an dieser Stelle nur zwei Perlen dieses hochkarätigen Interviews wiedergegeben:

Jebsen: „Wie verlogen ist denn ihrer Meinung nach diese ganze Kampf gegen den Terror-Debatte?“ Beck: „Tja, das ist natürlich ein weites Feld, ich glaube wenn man sich anguckt wo geopolitische Itneressen bestehen und ähhh anguckt, wo ähhh wo dann Terrorismus auftritt, dass es da sehr äähmm große Übereinstimmungen gibt. Also, ich meine der IS, das weiß man ja, die Finanzquellen ähhm die Finanzquellen kommen aus den Golfstaaten, die Waffen äähmm sehr häufig aus äähm aus US-Quelle -„ Jebsen: „Ja.“ Beck: „Wenn man die Waffenstatistiken ähhm anschaut, da ist kurz bevor der arabische Frühling ausbrach, also das war Ende 2010, da sehen Sie die Säule nach oben steigen, da wird einem ganz anders, da wurde ähh da wurde exportiert zum Beispiel nach Saudi-Arabien, da fragte man sich, wen wollen die denn damit eigentlich belämpfen, und ähhm es sieht – es sieht schon so aus, also, es gibt ja Langzeitziele, die, die dann umgesetzt werden mit Hilfe, man braucht ja einen Vorwand, um rein völkerrechtlich jetzt irgendwo intervenieren zu können,  und da denke ich halt schon, dass es – dass es da die Langzeitziele ähh gab, eben genaue Grenzziehungen im mittleren Osten, die ja wie geostrategische Konezepte schon lange auf der Schublade liegen, und deswegen glaube ich nicht daran, dass es ne ganz spontane Geschichte ist sondern es, wenn man halt guckt was im Vorfeld des arabischen Frühlings halt auch passierte und was da für Waffenexporte waren und äähhh, da fällt man halt doch vom Glauben ab, da glaube ich ehrlich gesagt eher dass es um die Verwirklichung geopolitischer und geostrategischer Ziele, dass man da-das gezielt gefördert hat, das ist natürlich sehr gewagt, klar, es geht so in Richtung – aber man kann sehr viele Mosaiksteinchen da doch liefern.“ Jebsen: „Frau Beck, so gewagt ist es nicht, wenn  man sich das Buch nochmal von Brezinski vornimmt, und dann auch guckt wann es erschienen ist, also ich meine jetzt nicht the great chessboard, sondern von Amerika die einzige Vorherrschaft und so weiter und wie man die auch hält, da wird ganz explizit auch beschrieben nicht nur was im nahen Osten mit Syrien zu geschehen hat sondern auch was mit der Ukraine zu geschehen hat, also, das ist praktisch wie ein Fahrplan, und Geopolitiker denken natürlich wie beim Schach über eine lange Distanz, übrigens, ich möchte an dieser Stelle nochmal auf einen Aufsatz aus dem Jahr 2012 in der FAZ hinweisen, da gabs einen Arbeitstitel von einem Historiker aus Passau „Und Ihr denkt es geht um einen Diktator“, der beschreibt das was ich hier gerade sage nochmal sehr genau, es ist also keine Verschwörungstheorie. Ich möchte nochmal auf den Anfang beim Kampf gegen den Terror kommen, 11. September, wird ja dann gerne vergessen, äähh, seit dem 11. September werden ja im Rahmen des Kampfes gegen den Terror im Westen gerade immer mehr Bürgerrechte massiv beschnitten oder einfach abgeschafft, vorrübergehend sag ich mal, sind das denn ihrer Meinung nach Kollateralschäden an der Demokratie, oder würden Sie es eher als Teil der Übung beschreiben, wenn es darum geht, die Freiheit hier im Westen einzuschränken?“ Beck: „Ich glaube das ist ein ganzer Korb von Gründen, und das ist ja auch das gute daran, man kann mit dieser Marke IS die man jetzt eingeführt hat, kann man sowohl Innenpolitik betreiben in den einzelnen ääh EU-Staaten oder auch in den Vereinigten Staaten, also Stichwort halt die Sicherheitsgsetze immer mehr verschärfen, bürgerliche Freiheiten immer mehr einschränken, ähhm, sowieso Divide et Impera halt veranstalten, das ist ja eine der ältesten Regeln, also wenn man ähhm wenn man jetzt ääh zum Beispiel die Muslime, die ja nun hier in Europa sind äähm sozusagen ständig im Fokus hat und die ausspielt gegen andere Gruppen innerhalb der Gesellschaft dann haben wir natürlich bald n schönen,  ne wunderbare Bürgerkriegskonstellation auch, die man halt ohne diesen ääh ohne diese Strategie der Spannung nicht hätte, also man hat also einen ganzen Korb von Ergebnissen davon, die scheints eben bestimmten Eliten halt gefallen.“ [Circa 18:55 – 22:20, Hervorhebungen durch den Autor]

Wer mögen nur diese gewissen Eliten sein, die so etwas machen? Sind es reptiloide Machthaber? Die vielbeschworenen Transatlantiker? Die von Querfrontlern so oft herbeiphantasierten Antideutschen? Oder doch nur steinreiche Zionisten mit US-Pass? Friederike Beck bleibt nebulös und spricht von bestimmten Eliten. Sie kann sich aber sicher sein, dass Jebsen und das Publikum, wie auch der Arbeitgeber bei Compact, als ominöse bestimmte Elite schon die Richtigen vermuten werden.

Jebsen: „Frau Beck, wenn Donald Trum Präsident wird und davon gehen wir hier stark aus, was wird sich ändern?“ Beck: „Ja, also ich muss jetzt was sagen, was Sie wahrscheinlich enttäuschen wird, und zwar ääh ich habe mir sehr genau seine Videos angeschaut und mir ist besonders eins aufgefallen, er ist natürlich was so seine Meinung über Frauen angeht und was sein poltriges Auftreten anbelangt ziem-ziemlich grauselig, aber äähhm, man muss auch sozusagen mal von diesen emotionalen Sachen wegkommen und sich ganz nüchtern diesen Typen angucken und vor allen Dingen mal die deutsche Perspektive beziehungsweise die europäische Perspektive einnehmen, was, was ist sozusagen für uns denn gut, ähhm und was momentan gerade gemacht wird ist ja ein neuer Graben mitten in Europa, es wird Containment massiv gegen Russland gemacht, die NATO geht immer weiter ähhm ähm Richtung Osten, ins Baltikum, nach Polen, es laufen Militärtransporte, es werden Truppen dorthin geschickt und erhöht, die Manöverzahl wird angehoben undso weiter. Und ein Interview äähh oder ein -eine Einlassung von Trump hat mir  besonders gut gefallen, und zwar sagte er irgendwo also er kommt mit dem Putin klar,  er setzt sich einfach mal mit dem an den Tisch, er redet einfach mit- also guckt ihm ihm in die Augen und redet mit ihm von Mann zu Mann.“ Jebsen:  „Ja.“ [lacht] Beck: „Also da nehme ich gern in Kauf was er jetzt über Frauen sagt oder auch ein paar Sachen über mexikanische Einwanderer, weil, also man muss es ja mal nüchtern sehen, also wir, wir  als Deutsche oder wir als Europäer können ja absolut kein Interesse daran haben, dass hier weiter ein neuer kalter Krieg oder gar ein heisser Krieg betrieben wird und äähm eine Strategie der Spannung, sondern in unserem Interesse, gerade im Zentrum Europas, gerade in deutschem Interesse wäre ja, dass wir zum Beispiel endlich mal diese Sanktionen aufheben, und endlich mal wieder das gemeinsame Haus Europa anschauen und ausbauen,  und natürlich mit Russland die Eurasische Gemeinschaft ein bisschen mehr betonen, natürlich auch durchaus mit Blick auf den Westen weiterhin,  doch da läge natürlich ne ganz große Chance und natürlich, wenn wenn da so ein Trump käme und sagt, ach, mit dem Putin kom ich ja klar und das mit dem Putin regel ich  mal von Mann zu Mann und ich sehe mir das an, und diese NATO-Politik die jetzt momentan gemacht wird, wo imme rmehr auf Konfrontation gegangen wird, also dann wär ich einfach für Trump, auch als Frau.“ Jebsen: „Ich bin da jetzt gar nicht enttäuscht, ich sehe das ähnlich, weil ich gucke mir ja an wer da alternativ ist, da fällt mir auf, die Sanders hat kaum ne Chance und der Sohn von Paul sowieso nicht und Frau Hillary Clinton halte ich für wirklich grauenhaft und total verlogen, das mag ich ja an dem Trampel Trump, dass er ganz offen sagt ja auch zur Konkurrenz, ich – ich weiß wie das Geschäft läuft, ich habe euch alle gekauft, sagt er ganz offen bei Fox-News, und ich habe ein Riesenmedienimperium um mich zu verteidigen…also der Typ geht schon nach vorne, ist auf jeden Fall unterhaltsam.“ [23:11 – 26:13]

Was macht man als rinker Querfrontler, der sich immer wieder als links inszenieren möchte, so? Man äußert seine Vorliebe für rechte Politiker mit rassistischen Ausfallerscheinungen. Wenn man nicht gerade bei ausländerfeindlichen, rechtsextremen Massenaufläufen, wie bei „Wir sind Deutschland“, redet. Friederike Beck ist, wie Jebsen auch, ein gutes Beispiel für einen der lechtsrinken Querfrontler, die, wie Jebsen oder inzwischen auch die Nachdenkseiten, ein zwischen rechts und links changierendes, von Ressentiment, Katastrophismus und Glauben getriebenes Publikum anzapfen. Welches vor allem die eigenen Vorurteile bestätigt sehen möchte, und zu diesem Zweck bereit ist, alles zu glauben.

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2 Gedanken zu „„Bestimmte Eliten“ ganz compact

  1. Pingback: K(r)oppzeug | Erinnerung! – Gegen politische Verwahrlosung

  2. Olaf

    [Anmerkung Nazienkel: ich lasse diesen Kommentar von ‚Olaf‘ mal zur Veranschaulichung der Folgen von vulgären Antiimperialismus auf Denken, Ausdruck und Schriftbild durch.]:

    wer von “alibijüdin” redet ist in der tat ein reaktionäres schwein. wer kriegsursachen und machtpolitik des imperialismus nicht versteht, kann nur ein narr oder rechter lump sein. in der tat: nazienkel scheint ein zutreffender name für diesen unter schlimmer mützenden vollhonk.

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