KenFMs Traumschiff: Völkerfest und ‚Inshallah‘

Lejeune:  „…wir sind auf hoher See in internationalen Gewässern und wir lassen uns von keiner Seeeblockade aufhalten, im übrigen haben wir, als wir internationales Gewässer ereichten, die griechische Fahne eingerollt, und eine palästinensische Fahne gehisst, die -äähh- Juliano II. segelt unter palästinensischer Flagge nach Gaza, das ist ein ganz starkes Symbol für den Freiheitskampf des palästinensischen Volkes, den wir -ääh- unterstützen, und unsere Solidarität gilt allen unterdrückten Völkern…“ [ca. 13:40 – 13:50]

Ein neuer Tag für die Mitreisenden des Segeltörns – und ein neuer Tag für Abenteuerspiele. Martin Lejeune meldet sich von Bord des ‚Friedensschiffes‘ Juliano II., um Ken Jebsen ein Interview „live von der Gaza-Hilfsflotte 2015“ zu geben. Eine neue Möglichkeit für Ken Jebsen, die sinkenden Zugriffszahlen für seinen Wutkanal durch neues -und exklusives- Futter für das augenscheinlich offen antisemitisch durchsetzte Fanforum zu steigern.

Jebsen:Herr Lejeune, kann man sagen, wenn Sie nach Gaza fahren, dann besuchen Sie im Grunde ein Freiluftgefängnis?“ Lejeune: „Es ist ein Freiluftgefängnis, es ist das größte Gefängnis der Welt, mit zwei Millionen Insassen die nah vor dem Verhungern sind, und es ist eine humanitäre Katastrophe und die Menschen sind verzweifelt, und wenn die Menschen aus Gaza Raketen auf Israel schicken, dann tun sie das aus Verzweiflung, und nicht weil sie Juden hassen.“ [ca. Minute 9:40]

Arme, unterdrückte Menschen, die sich einzig aus Verzweiflung wehren würden – dies ist wohl das richtige Thema für das friedensbewegte, ‚israelkritische‚ Publikum von KenFM. Natürlich würde nicht aus Hass gebombt, nicht aus Hass würden Raketen ungezielt abgefeuert und Menschen massakriert, einzig aus Verzweiflung. Wer unter den Fans mag dem Pressesprecher der Hamas dies nicht glauben?  Ken Jebsen, der sich stets als Opfer darstellt, das angeblich wegen unliebsamer Berichterstattung und ‚Aufklärung‘ abgesägt wurde -eigentlich waren es ressentimentgeladene, antiermikanische und antisemitische Inhalte, unpassend für eine Jugendradiosendung- hat mit Martin Lejeune jemanden gefunden, der sich ebenso wie er als widerständiges Opfer gibt. Martin Lejeune sagt, er würde seine Berichte nicht mehr in der deutschen Presse veröffentlichen wollen, weil sie dort verzerrt würden. Dass niemand seine Berichte noch drucken möchte, die ohnehin sehr rar gesät waren – das erwähnt er natürlich nicht.

Jebsen:Hhhhmmm,  Herr Lejeune, es ist interessant, dass -äähhh- die deutschen Medien sich zu dieser dritten Gazaflotille tatsächlich ausschweigen das wirft noch einmal ein klares Blick darauf, dass diese Medien nicht wirklich unabhängig sind, denn ich kann mir nicht vorstellen dass sie alle es durch die Bank verpasst haben, alle Fernsehsender alle Radiosender -ääähhhhmm- alle Zeitungen sondern da muss es dann auch irgendwie Druck von Aussen geben, ich glaube da lehnt man sich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn man das sagt gerade beim deutsch-israelischem Verhältnis wird wenn es um Menschenreche geht bezüglich Palästine mit zweierlei Maß gemessen und das sind meiner Meinung nach nicht die richtigen Lehren aus dem zweiten Weltkrieg. [9:40 – 10:08]

Einen widerlichen Vergleich bringt Jebsen hier einmal wieder, wenn er meint, dass die „Lehren aus dem zweiten Weltkrieg“ andere sein müssten. Bei jemandem, der auch schon von „radikalen Zionisten mit US-Pass“ und „Nazionalzionisten“ schwadronierte, ist in solcherlei Folgesätzen so einiges implizit. Während Lejeune im vorigen Interview noch mutmaßte, dass die israelischen Streitkräfte die angebliche Friedensflotilla passieren lassen würde, greift in diesem Gespräch wieder die Dämonisierung: Israel wird bestimmt eingreifen, so Lejeune. Und es, so die Tagesschau von heute morgen, wurde auch schon eines der Schiffe aufgehalten – wohl zum Entsetzen der Mitreisenden ohne Blutvergießen und Bilder, die sich zur Hetze gegen Israel eignen.

Jebsen: „Herr Lejeune, wann werden Sie in Gaza ankommen, und wie wird der Empfang sein, gibt es da bereits gewisse Pläne. Die sie verraten können. Lejeune: „Ähhh, wir werdenInshalla– in drei Tagen in Gaza ankommen,wir werden erwartet werden von ganz vielen Leuten, es wird vielleicht in die zehn- oder hundertausende gehen, die die Strände dann von Gaza bevölkern werden… [13:50 – 14:35]

Lustig ist es, wenn Lejeune, der sich in einem vorigen Interview nicht an das Wort für das Fastenbrechen zum Ende des Ramadan, das Zuckerfest, erinnern kann, nun den Muslim raushängen lässt und in seine Antwort die islamische Phrase inshalla einflechtet. Allhamdula. Lejeune zeigt sich einmal mehr einer, der einem leid tun kann, der durch pseudo-ethischen Betroffenheitsjournalismus, chamäleonhaftes Verhalten und seichtes Getue auf sich aufermksam machen möchte. Er ist einer von denen, die wohl in ihrer Jugend nicht am Chillum ziehen konnten, ohne Boom Shankar zu sagen und den Guru raushängen zu lässen. Andere Zeit, anderer Brauch. Was gestern Indien, ist heute wohl Palästina, Syrien und die Krim.

Lejeune sagt in diesem Interview alles, warum diese Flotte -zur Not auch mit Gewalt- gestoppt werden muss(te). Sie möchten eine angeblich humintäre Aktion machen und reden von einer Befreiung des Volks der Palästinenser, von einer ungerechtfertigten Blockade und angeblichen Besatzung durch Israel. Warum gibt es überhaupt eine Blockade? Weil in Gaza eine Partei an der Macht ist, die das eigene Volk unterdrückt und die Existenz Israels nicht anerkennt. Eine Regierung, die nichts für die eigene Bevölkerung macht – dafür aber alle Gelder, die für den Aufbau Gazas genutzt werden könnten, fröhlich weiter in Tunnel, Waffen und Propaganda investiert. Eine ‚Regierung‘, die angeblich nicht weiß, was der bewaffnete Arm macht,  Eine Regierung, die keine Kontrolle über die bewaffneten Teile hat, die nicht fähig ist, Raketenbeschuss zu stoppen. Die gegen sexuelle Selbstbestimmung ist, gegen individuelle Entwicklung. Wer zehn Minuten über die unfaire Behandlung von Palästinensern schwadronieren kann, ohne die Worte religiöse Verwirrung, Hamas und Unterdrückung einmal in den Mund zu nehmen, der ist nicht glaubwürdig und tritt nach wie vor als Kombattant auf. Zumal, wenn er sich wie ein Märtyrer in die palästinensische Flagge kleidet.

Lejeune: „…warum eigentlich Juliano? Dieses Schiff auf dem wir segeln ist benannt nach Juliano Mer-Khamis, der in Djenin erschossen wurde, der dort ein Theaterprojekt hatte, der dort mit palästnensichen Jugendlichen ganz tolle wertvolle Kulturarbeit geleistet hat, und sein Leben hat er der Freiheit der Palästiensner gewidmet, bis zu seiner hinterhältigen Erschiessung, einem Attentat in Djenin, und ihm widmen wir unsere Reise und nach ihm benennen wir unser Boot.“ [11:35 -12:18]

Diese Stelle wäre wohl geeignet gewesen, um darauf einzugehen, dass es palästinensiche Feinde einer palästinenschen Freiheit gibt, von der hier schwadroniert wird: Die Hamas, Fanatismus, religiöser Hass. Der hier so als Märtyrer umrissene Tote Juliano Mer-Khamis, wurde selbst nach palästinensischen Ermittlungen wahlweise von einem Hamas-, oder Fatah- Mitglied umgebracht, abwechselnd wurde der festgenommene Täter diesen Organisationen zugeordnet. Es war also bestimmt nicht die israelische ‚Besatzungsmacht‘, außer in den Köpfen von Verschwörungsideologen. Dass als gedankliche Vertreter der Hamas auftretende Journalisten das nicht gesondert erwähnen, ist einleuchtend.

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8 Gedanken zu „KenFMs Traumschiff: Völkerfest und ‚Inshallah‘

  1. trauma

    Hetzer, du bist so ein ekelhafter, selbstgerechter Mensch, du suchst gezielt nach irgendwas, was du Ken Jebsen anhängen kannst. Dir geht es nicht um Wahrheit, sondern nur um dich. Verblendung pur. Und Name ist bei dir Programm. Bei dir fällt es mir tatsächlich schwer, keine Verachtung zu empfinden.

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  2. Rafael

    Der Autor hat offenkundig wenig Kenntnis von den Geschehnissen innerhalb Israels. Ich empfehle dazu die zahllosen Berichte des israelischen Journalisten Gideon Levy, sowie die Vorträge, Interviews und Dokumentationen des israelischen Journalisten David Sheen. Man kann KenFM mögen oder nicht, jedoch muss man einsehen dass Vieles, was in Bezug auf Israel dort thematisiert wird, nicht erstunken und erlogen ist. Persönlichkeiten wie Moshe Zuckermann und Noam Chomsky bezeichnen die Blockade von Gaza als „sadistisch und grotesk“. Man lese seine Artikel über Israel auf http://www.chomsky.info, sofern man der englischen Sprache mächtig ist. KenFM ist doch nur ein kleines Medienportal, dessen Team Menschen wie Chomsky übersetzt und zitiert. Wenn das alles doch so reaktionär und falsch ist, wieso traut man sich nicht mehr zu? Weil es einfach ist, ein kleines Medienportal zu diffamieren und sich mit einem wahren Intellektuellen anzulegen viel zu schwer und zu anstrengend ist. Ich finde es ja gut wenn man Medien kritisert, wenn man aber Medienportale wie KenFM kritisiert sollte man sich doch nicht den selben Fehler erlauben, weswegen man KenFM anprangert: Man sollte es sich nicht zu einfach machen.

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