Opfer und Keule – Querfrontaufguss 2015

Im Jahr 2015 bleibt festzustellen, dass die Machtübernahmepläne der ‚Friedensbewegung 2014‘ (‚ Marsch auf Berlin ‚) und ihrer traurigen Führer, neben dem üblichen Querfrontgetöse, fast versandet sind. Allzu deutlich war, dass ein Zusammenschluss wirrer Zeitgenossen zwar laut sein kann, aber deren Pegel durch mediale Aufmerksamkeit auch zum Schmelzen gebracht wurde, ging es doch vor allem um Aufmerksamkeit für die im Rampenlicht gern stehenden Reizfiguren. Nach wie vor aber fühlt es sich immer wieder so an, als wuchsen die Wahnwichtel wie Pilze. Es wurden schon fleißig neue Veranstaltungen angekündigt – und Jebsen und die vereinigten Dummschwätzer zeigten sich bezüglich des Massakers bei Charlie Hebdo von ihrer unmoralischsten Seite, was das Fleddern anbelangt.

Auch der Hype um die als rechte Auskopplung der Friedenswahnwichtel rüberkommende HoGeSa, Endgame PEGIDA-AbküNazi-Bewegung, zwar größere Wellen schlagend als die Wichtelzusammenkünfte – aber Fremdenhass ist in Deutschland eben eine Tugend, scheint langsam abzuebben (auch wenn man in der digitalen Welt, gerade bei facebook, auf immer wieder neue PEGIDA -Werber trifft. An den unerwartetsten Stellen. Ich schwörs). Beide ‚Bewegungen‘ des Jahres 2014 legen hohes Empörungs- und Frustpotential offen, beide ‚Bewegungen‘ (ich bin nicht der Meinung, dass diese Zusammenkünfte irrlichternder Zeitgenossen wirklich als Bewegung bezeichnet werden können, da sie eher ein Konglomerat verschiedener Zusammenhänge darstellten) zeigen, dass bei den mobilisierten Meschenmassen es vor allem um Ängste, Unsicherheit, Unwissen und lautstarkes Ausleben des hierüber aufgestauten Frusts ging – und hierbei dann eben das spießig-christliche, mit permanenten Weltuntergangsängsten ausgestattete Lieschen Müller auf den überzeugten Reichsbürger, der verrückte Chemtrail-Öko auf den antiamerikanischen ‚Antizionisten‘, und der ‚Nationalsozialist‘ auf den DDR-Nostalgiker und den gemeinen Vulgärmarxisten traf. Alle vereint, um sich gegen den Krieg zu engagieren, denn der Westen in der Ukraine anzettele, um ihn Putin in die Schuhe zu schieben. Darüber schweigend, dass von russischen Soldaten auf Urlaub ein Krieg in der Ostukraine von Zaun gebrochen wurde. Und darüber, dass es zynisch ist, wenn in Europa Krieg herrscht, von Frieden zu reden, Krieg zu verleugnen und beständig dem ideologischem Gegner Kriegsgelüste zu unterstellen.

Zu PEGIDA, Hogesa, Endgame etc. ist nochmals anzumerken, dass ein deutliches Zeichen für den querfrontigen, ressentimentgeladenen Lechts-Rinks-Schnitt bei Montagswahnwichteln und PEGIDA von zum Beispiel Jebsen selbst genannt wurde. Im ersten seiner Logorrhoe-haften Videos, in welchen er Stellung zu PEGIDA bezog, wird er selbst auf den Umstand hin, dass sich unter seinen ‚FB-Freunden‚ viele PEGIDISTEN tummelten. Es ist in diesen Ergüssen lustig anzuschauen, wie Jebsen zwischen eigentlich erniedrigend gemeinten, humorlosen und unendlich narzisstischen Sprüchen (~ich meine ich versuche die letzten drei Jahre halbjntellektuell zu arbeiten und ich glaube auch wie ich rede wie ich spreche das kann der einfache Bürger nicht unbedingt verstehen und diese Diana [eine Person aus einem vorgetragenen Leserbrief] macht auf mich jetzt nen sehr einfachen Eindruck…~) und geheucheltem Verständnis switcht. Letzten Endes wiederholt er in diesem Erguss ebenfalls sinngemäß das Statement von Wisnewski „was wir die letzte Zeit gar nicht mehr haben wollten in der kritischen Bürgerbewegung, nämlich eine Europäische Identität an erster Stelle, wir wollten eigentlich wieder eher eine deutsche Identität haben, nun wird uns hier also plötzlich eine europäische Identität verkauft”. Diesem Statement stimmte er an anderer Stelle in einem seiner Interviews, einem mit Gerhard Wisnewski, zu. Gerhard Wisnewski verteidigte PEGIDA – ebenso wie Udo Ulfkotte, mit dem Jebsen auch ein Interview führte – und der sogar mehrfach bei PEGIDA als Redner auftrat.

Auch Willy Wimmer (Querfront-Willy), der von Jebsen letztes Jahr gleich mehrmals interviewt wurde -und der auch bei den Querfrontseiten immer wieder gern verlinkt wird, auch mit Albrecht Müller, der ihn offensichtlich hoch schätzt und verehrt, auf Symposien gemeinsam auftritt, ließ in Jebsens Jahresrückblick den PEGIDA-Versteher, der er wohl bis ins Mark ist (neben Putinversteher selbstverständlich) raushängen: …denen kommt man mit dem verbalen Gummiknüppel und knüppelt sie moralisch nieder…das was die artikulieren ist a priori rechts….

Viele (alle?) der in diesem Text genannten Namen verkörpern antiamerikanische und antisemitische Ressentiments. Und, ganz aktuell / es wird gegen Europa und den Westen per se gesprochen.

Überall also, wo man nur hinguckt, lauern kriegslüsterne ‚Keulenschwinger‘.

Dumme deutsche, Antisemiten, Rechtsextreme: Sie alle haben ihren Hass, ihre Ressentiments, ihren Stolz – und ihre Opferkeule. Dieser abgewandelte Walserismus ist wohl das heimlich Unwort 2014.

Wenn man der vereinigten Wahnwichtelbewegung , ihrem Empörungsrahmen, ihrer Deutung als Opfer und ihren ‚linken‘ Protagonisten etwas gutes abgewinnen kann, so ist dies der Umstand, dass, wie Jutta Ditfurth sagte, Spreu und Weizen sich im vergangenem Jahr trennten.

Auf dem Weg zum Jahresende 2014 wurde von der vereinigten sich pro-Putin und ‚russlandverstehend‘ positionierten Querfront bloß noch der Partei ‚die Linke‘ der Rest gegeben, und deren stalinistische und ‚israelkritische‘ Elite zum ‚Friedenswinter‘ geladen. Die ließen sich dann nicht lange bitten, wenn sie nicht sowieso schon gegen Beschlüsse ihrer Partei sich hinwegsetzend, den antiamerikanischen, in weiten Teilen antisemitischen, und die aggressive Politik Putins schönredenden, Ringelpitz unterstützten. Es folgte erschreckenderweise ‚Linke.SDS‘, der im Februar 2015 mit einem Pro-Statement nachzog.

Ohnehin schon fragwürdige Personen machten deutlich, wie weit es mit Ihrer Denke gekommen ist – oder vielmehr, was da wohl schon lange geschlummert hat. Anrüchige, ‚alternative Medien‘ wurden noch anrüchiger – und es kamen neue hinzu. Innerhalb von ein paar Monaten in krisenhaften Zeiten -die für manche Deutsche stets schlimmer anmuten, als für die wirklich betroffenen- wuchs die sich bildende Querfront an. Der Höhenrausch aber, den die mediale Aufmerksamkeit bei einigen Akteuren auslöste, stand der sinkenden Zahl Demonstrationswilliger gegenüber. Flugs wurde ein neues Wort gebastelt, Friedenswinter. Und über dieses neue Wort gelangten dann auch diejenigen der Partei ‚Linke‚ zu den antisemitisch codierten Wutbürgerdemos, die ohnehin nichts auf Parteibeschlüsse geben. Die, die sich als ‚Antizionisten‚ ausgeben, Kritik an Antisemitismus als Rufmord bezeichnen – und die ein schlechtes Aushängeschild für die Vernünftigen in der Partei abgeben. Dieter Dehm, Andreij Hunko, Wolfgang Gehrcke, Sevim Dagdelen, Sahra Wagenknecht – um nur einige zu nennen. Dieter Dehm, der immer wieder geschmackloseste Statements abgibt ( á la ~die antideutschen saugen der Linken das Blut aus den bleichen Wangen~) und Gehrcke (neues Buch: ‚Rufmord’^^) liefen dann auch beim Friedenswinter mit.

In Gehrckes neuesten Buch Rufmord zelebriert er den antisemitischen Opferritus bestimmt perfekt – ‚Rufmord‘ soll sich damit befassen, wie Linke systematisch mit dem Vorwurf antisemitischer Umtriebe konfrontiert würden. Nein, Wolfgang mit dem roten Schal, höre: Die so bezeichneten sollten sich eher mal überlegen, ob da nicht was dran ist. Aber so ist das mit der verzerrten Wahrnehmung. Hoffentlich erscheint das Buch -schön antikapitalistisch- zum freien Download. Aber wohl eher nicht. Denn mit politischen Wirrköpfen Können politische Wirrköpfe Geld verdienen.

Ach ja – Gehrcke und Hunko sorgten bei ihrer ‚Novorossjia‘-Reise und Kuschelstunden mit den Separatisten natürlich auch für einen Skandal. Aber was machen sie nicht alles gegen den bösen imerialistischen Westen, gegen die verschwulten Seemächte. Bei der jungen Welt wird sich natürlich schon hierüber empört

Was thematisch weiterführt: Rtdeutsch darf nicht vergessen werden, das profihaft designte, und trotzdem amateurhaft daherkommende Youtube-Kanälchen, wo alle Stränge politischer Zerwirrung neuerdings zusammenlaufen. Kein anderer sich so bezeichnender Sender bringt der heterogenen Zielgruppe aufgebrachter Nichtsraller und ihren Anführern, die an Multikausalität verzweifeln, so viel Beachtung entgegen. Allen. Ob PEGIDISTEN, wirren Reichsbürgern – oder den Montagswichteln eben.

Einen solchen Sender, bei dem in munterer Reihenfolge Holocaustleugner und Revisionisten, bekannte Antisemiten, Profilneurotiker und Rechtsextreme, ‚911- und Friedensforscher‘, Möchtegernwissenschaftler, eitle Altpolitiker und geldgeile Goldhändler sich die Klinke in die Hand geben – und das einzige Konzept im Programm der politischen Desinformation liegt – hat es im deutschsprachigen Raum bis dahin nicht gegeben. Es mutet an wie eine Steigerung des Tagesschauplagiats von ‚Kopp-TV‘, mit mehr Geld im Hintergrund und größerer Zielgruppe. Auch Eva Herman, spricht dort hin und wieder, auch im Duo mit dem politisch offenbar verwirrtem Popp.

Erschreckend sollte es für manches Linken-Mitglied gewesen sein, unter anderem eben benannten Wolfgang Gehrcke bei rtdeutsch plappern sehen zu können. Und wen das nicht erschreckte, den erschreckte auch nicht die Tatsache, dass Wolfgang Gehrcke sich und sein Engagement beim Friedenswinter von KenFM featuren ließ; Ken Jebsen natürlich durfte ebenfalls selbstverliebt bei rtdeutsch reden. Wie auch sein alter Buddy Elsässer. Und viele andere Wirrköpfe. Auch Evelyn Hecht-Galinski durfte bei den Wichtelzusammenkünften des Sommers reden, ebenso wie Jürgen Elsässer (Jürgen Elsässer und Ken Jebsen haben übrigens die gleiche Definition von antideutschen Antifaschisten, die sie als ‚Neocons‘ bezeichnen). Oder Heiko Schrang, Jo Conrad und Oliver Janich. Oder Jürgen Popp, der bei rtdeutsch mit Eva Herman im Duo zu sehen ist. Auch Hecht-Galinski fühlt sich immer wieder zu Unrecht angegangen. Vor zwei Wochen erschien ihr Artikel ‚Wen die Antisemitismuskeule schlägt‚. Es ist müßig, sich mit dem Inhalt zu beschäftigen, in dem auch fundamentalislamische Antisemiten verteidigt werden. Standard. Aber ein lustiger Titel, der diese Opferhaltung überdramatisiert. Opferpossen!

Hat Evelyn HechtGalinski eigentlich schon einen Mitgliedsantrag bei der Linken eingereicht?

Wird Daniele Ganser („Terroristen sind wie Skirennfahrer – Sie haben viele Reisverschlüsse!“) bei den Zusammenkünften (gleich, welcher Medaillenseite) auch reden?

Dieter Dehm wiederum lief mit dem Profilneurotiker Jebsen bei dem furiosen Friedensfrieren in erster Reihe, wo der alternde Dr. Seltsam dem armen, einsilbigem und scheinbar notorisch lügendem Keulenopfer Jebsen bei einem arglistigen Übergriff von SpiegelTV beherzt zur Seite stand. Ach ja – Ken Jebsen brüsteste sich an anderer Stelle, den Chefredakteur von rt gut zu kennen. Und so schließt sich gewissermaßen der Kreis

Alle diese Personen eint das Gerede von ‚Totschlagargumenten‘ und ‚Keulen‘ – sie reden alle gern von der ‚Lügenpresse‘ (in Variationen) und bedienen eifrig das Klischee der aufrechten und Unterdrückten. Dabei geben Sie nach meiner Meinung gute Exempel für die schon mehrfach genannte Opferhaltung ab. Hierbei wird dann auch mal, um Spender einzufangen, zum guten drin gehört, flugs Verständnis für die Wirren von Pegida geäußert – sind ja auch nur alles arme Mitläufer, Opfer. Ob durch ‚den Westen‘, Homolobby, Tel Aviv – oder Washington.

Für das Jahr 2015 wird die vereinte Querfront wieder einmal zu einer Riesendemo nach Berlin laden. Mal schauen, wer da so kommt. Die Organisationsfähigkeit (und das Spendenvolumen) der vereinten Friedenskasper (alle anderen wollen Krieg^^) ist bestimmt gestiegen, seit auch die querfrontelnden Nachdenkseiten fest mit im Spiel sind. Deren ‚Macher‘, das SPD-Urgestein Albrecht Müller, genoss sichtlich ebenfalls die Aufmerksamkeit von rtdeutsch, dessen Publikum er durch ein Interview per Videotelefonat beglückte – nachdem er sich von Jebsen (auf dessen Kanal von dort schon seit Jahren fleißig verlinkt wird) für ein zweiteiliges Interview zuhause besuchen ließ.

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