‚Souveränität‘, ‚Vasallentum‘ und Kriegsverbrecherprozesse – Ganser und Jebsen beweisen historische Unkenntnis

Ein beliebtes Thema ‚patriotisch‘ eingestellter Menschen ist das Thema mangelnder deutscher ‚Souveränität‚. Wie zuletzt die Wahnwichtelzusammenkünfte, in der jüngeren Vergangenheit noch ‚Friedensmontagsdemo‘ genannt, und nun zum ‚Friedenswinter‘ mutiert, zeigten, ist dieses Thema ebenfalls bei sich als links begreifenden Menschen sehr präsent.

Gerne wird in diesen querfront-trächtigen Kreisen von mangelnder deutscher Souveränität schwadroniert, ausgehend durch eine ‚EU‘- und ‚Usrael‘-Verschwörung. So auch bei PEGIDA und Pegada, wo es Usus zu sein scheint, dass ‚die Befehle‘ aus ‚Washington, London und Tel-Aviv‘ kämen. Aber natürlich hört man auch von sich als links einordnenden Menschen solche Gruselgeschichten.

Auch bei dem sich neuerdings, seit der Fürsprache von Querfrontlern aus der Linkspartei, als ‚links‘ sich gebendem Ken Jebsen ist die angeblich mangelnde deutsche Souveränität ein Thema.

Sprach Jebsen bezüglich der PEGIDA-Demonstrationen schon mehrmals davon, dass er eine Bedrohung deutscher Souveränität wittere, so hat er in einem Interview mit dem Schweizer Truther-Historiker Daniele Ganser erneut nachgelegt. Auch Wissenschaftler handelten, neben ‚Medien‘ und Politikern gemäß dieses Interviews nicht ’souverän‘, sondern würden sich einem ominösen ‚Imperium‘ unterwerfen würden. Gerade die armen ‚911-Forscher‘, und hier besonders die ‚Friedensforscher‘, hätten hierunter sehr zu leiden – das böse Imperium unterdrücke die Forschung der Friedenstäubchen. Wer das böse Imperium ist, das ist hingegen natürlich klar: Nicht China, nichts Russland – ‚das Imperium‘, das sind selbstverständlich nur die doofen Amis. Und Ken und Daniele wirken hierbei, als hätten sie in ihrer Jugend ein-zweimal zuviel ‚StarWars‘ gesehen, so wie sie das ‚Imperium‘ (‚warum lässt das Imperium das zu‘ fragt Jebsen bezüglich des Folterreports des US-Senats) verbal vergewaltigen und sich offensichtlich auf der Seite der smarten und gerechten, eben einfach guten, Rebellenunion (Ähnlichkeiten zu Shahyars ‚Rebellunion‘ sind zu augenfällig – steckt in Wahrheit George Lucas dahinter?) sehen.

Wenn Jebbie Jebsen dann in der Wortwahl tatsächlich wie ein Vertreter der rechtsextremen Art argumentiert, scheinbar ständig um die autochthone Entwicklung seines Heimatlands besorgt, argumentiert, scheint Polen wieder einmal offen:

Müsste Deutschland sich nicht endlich aus seiner Vasallenrolle befreien
?“ (01:19:00)

Eine auch bei PEGADA UND PEGIDA, bei den Friedensquerfront-Veranstaltungen sowieso, oft gestellte Frage. Auch früher machte man sich in Deutschland über die Bedeutung von ‚Vasallenstaaten‘ Gedanken. Wenn heute jemand Deutschland als ‚Vasallenstaat‘ bezeichnet, so eigentlich stets in Verbindung mit Antiamerikanismus, meist sekundäre Antisemitismen inklusive – egal, ob von links oder rechts.

Jebsens ressentimentgeladene Paranoia äußert sich überdeutlich, wenn er die Frage stellt, ob ‚Administratoren‘ bei Wikipedia ‚gezielt‘ darauf ‚angesetzt‘ würden, um Menschen, die ‚das System hinterfragen‘, zu ‚diskreditieren‘. Auch Jebsen dürfte sich, neben Ganser, der über seine Wikipedia-Einträge meckert, durch eben solche ‚diskreditiert‘ fühlen, mangelt es ihm doch offensichtlich an Verständnis die Wertung seiner oftmals angebrachten Antisemitismen und die NS-Zeit verharmlosenden Vergleiche, welche er in der Vergangenheit tätigte. Da macht man sich eben lieber zum Opfer, dies ist für das eigene Selbstverständnis gewiß besser.

Ken Jebsen: „Vielleicht sind es ja Administratoren bei Wikipedia selbst, die gezielt darauf angesetzt werden, Menschen die das System hinterfragen zu diskreditieren“. (01.00.20)

Auch in diesem aktuellen ‚Werkstück‘ Jebsens, das er mit Daniele Ganser übrigens im Anschluss an eine skandalträchtige Universitätsveranstaltung (die schon im Dezember 2014 stattfand) hielt, fällt Jebsen einmal wieder einen ungebührlichen Vergleich:

Was ich so interessant finde, die Amerikaner müssten es ja eigentlich besser wissen, also das, also es war ein Befehl, eben eine Art von Dienst, es war eine Art Befehl. Das haben die ja selber (stockt) damals Nürnberger Prozesse nicht gelten lassen. Das wurde ihnen ja auch gesagt, ‚tschuldigung das kam vom Führer von ganz oben, oder Goebbels hat das gesagt’… wieso haben sie vergessen, was sie selbst nie anerkannt haben (ca. 0:22:30)

In Bezug auf die Befehlskette der Armee eines ohne Zweifel demokratischen Staates (um das festzustellen, muss man weder Folter für gut befinden, noch die ‚Privatisierung‘ von Krieg) erstellt Jebsen einen an den Haaren herbeigezogenen Vergleich zu NS-Deutschland. Hätte er in der Schule aufgepasst, wüsste er, was ‚Befehlsnotstand‚ bedeutet – auf den sich breit berufen wurde. Jebsen aber lässt hier eine unwahre Aussage vom Stapel,
die die niederen Befehlsempfänger vor Alliierten Kriegsgerichten in gewisser Weise nachträglich zum Opfer macht. Niedere Befehlsempfänger aber standen nicht in Nürnberg, noch wurde ihnen die niedere Stellung in der Befehlskette vor anderen Stellen nicht zugebilligt. Nicht nur aus diesen Punkten heraus ist der von Jebsen angestellte Vergleich widerlich. Bezüglich dieses Beispiels wird in einem widerlichen Vergleich vor falschem Geschichtshintergrund den USA Doppelmoralität angelastet.

Sind die ohne Zweifel widerwärtigen Folterungen, ans Licht gebracht durch das ‚folternde System‘, allen Ernstes mit den Nürnberger Prozessen gegen Hauptkriegsverbrecher des NS-Regimes zu vergleichen? Natürlich nicht! Noch lächerlicher aber macht sich hiermit der ‚Historiker‘ Ganser, der -wüsste er es besser- es auch hätte anbringen können, statt den lächerlich antiamerikanischen Spielball aufzunehmen.

Die wirren Wortführer der Montagswahnmacher, der PEGIDISTEN und der Friedenswintler sind größtenteils Autoren, abgehalfterte Politiker und Prominente, oder youtube-‚Stars‘ mit fragwürdigem Ruf. Es geht ihnen gewiß um verkaufte Bücher, ausgebuchte Säle, zunehmende Klickzahlen – auch wenn sie das Wohl der Menschheit als vornehmlichen Beweggrund angeben. Sie bezeichnen sich als unabhängig und ’nicht-embeddet‘. Eigentlich aber sind sie in großem Maße abhängig von den leichtgläubigen Konsumenten ihrer Werke, denen sie Honig ums Maul schmieren müssen, wollen sie bei ihrer Spender- und Käuferschicht ‚anerkannt‘ bleiben. So eben auch der ‚charismatische‘ ideologische Führer so manches Friedensquerfrontlers, der wohl fleißig für ein Interview mit Putin sich engagiert. Und ebenfalls der, der hierbei für die wissenschaftliche Seriösität der verschwörungswahnhaften Geschichten, welche so erzählt werden, sorgen soll.

Attraktivität, so schwadronieren die beiden in diesem von Jebsens Spendern finanzierten Werk, liege bei den ‚Alternativen Medien‘ in der ‚Spannung‘. Nun – natürlich können sich die Spinnereien, die von diesen Herren geäußert werden, für den einen oder anderen spannend anhören. Spannend – das war für viele auch Däniken mit seiner stupenden ‚Alien-Archäologie‘, die ‚Werke‘ Jan van Helsings, oder die Protokolle der Weisen von Zion. Und heute, da finden eben die absurdesten Spinnereien von Menschen Anklang, die Phantastereien über grausame Anschläge anstellen. Neben dem genannten kruden Gedankenmüll, welcher -in Ton und Bild festgehalten- eben auch auf den Veranstaltungen der ‚Friedensbewegung 2014‚ immer wieder geäußert wurde.

Und wenn man nun ‚cui bono‚ fragt, wie es gewisse Herrschaften zu tun pflegen, so wird offenbar, wer an den schrecklichen Vorkommnissen profitiert. Solche eben. Gewinnler der galoppierenden Dummheit – wohlmöglich total depperte Spinner von Verschwörungstheorien. Und da fallen dann eben auch Sätze wie:

„(…) die Grund-DNA des Imperiums (…) das Imperium schreibt die Gesetze für die anderen“.

Ken Jebsen ist wohl auch Genetiker?

Eventuell wird das hier Geschriebene noch um einen zweiten Teil ergänzt.

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8 Gedanken zu „‚Souveränität‘, ‚Vasallentum‘ und Kriegsverbrecherprozesse – Ganser und Jebsen beweisen historische Unkenntnis

  1. Irrelevant

    Gute Analyse! Jebsen und andere Querfrontler lieben NS-Vergleiche, v.a. aus drei Gründen:
    1) deutsche Verbrechen zu verharmlosen
    2) Effekthascherei
    3) Um die Feindbilder (Juden, USA, Anglo-Zionisten) zu diffamieren

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  2. MultiStar83

    Warum schreibst du bei Ganser „Historiker“? Er ist nun einmal (auch) Historiker. Ob es einem gefällt oder nicht. Das heißt ja nicht, dass er sich als Historiker nicht auch irren oder Quatsch erzählen kann. Mit Fakten scheint er es nämlich wirklich nicht so genau zu nehmen. Was ich bei ihm immer wieder frappierend finde: Er erwähnt bei seinen „Zweifeln“ zu 9/11 nie, dass es bzgl. WTC 7 später sehr wohl einen Bericht gab und zwar den „NIST-Report“ 2008 oder 2009. Aber er sagt immer nur, dass das Gebäude im offiziellen „Commission Report“ von 2004 nicht genannt wird. Statt meinetwegen zu sagen, dass sich der NIST-Bericht aus diesen oder jenen Gründen über die Einsturzursachen irre, unterschlägt er ihn einfach komplett! Kein sehr überzeugendes Vorgehen.

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    1. Nazienkel Autor

      Ja – es sind diese Ungenauigkeiten, die mich zu den Apostrophierungen ‚trieben‘. Auch wenn er Historiker sein mag, ist seine Arbeit nicht annähernd exakt, und er lässt sich scheinbar vom Ressentiment treiben. Ja, er unterschlägt Fakten – und das gibt diesem Historiker keinen seriösen Schein. Wissenschaft erscheint hier nur als Werkzeug zum Zweck.

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      1. MultiStar83

        Kommt mir leider auch so vor. Wenn es bei ihm um „False Flag“-Anschläge, bzw. vermeintliche geht, erwähnt er immer wieder die gleichen Beispiele, die aber auch nachgewiesen werden konnten. Ein Anschlag in Italien 1972 mit ein paar Toten, der wohl wirklich auf das Konto von „Gladio-Geheimarmeen“ ging und 1985 den Anschlag auf die „Rainbow Warrior“ vom französischen Geheimdienst. Das war’s! Bei allen anderen Anschlägen sind es Mutmaßungen. Sicher gab es auch noch mehr von Geheimdiensten inszenierte Anschläge, aber die Beweise fehlen eben. Außerdem vertritt Ganser ja auch die These, dass der „Irak-Krieg“ 2003 nur wegen Öl-Interessen von den USA geführt wurde. Er sagte mal zu Ken Jebsen in einem Interview sinngemäß, dass die USA den Irak seitdem „in der Tasche“ hätten. Ich habe mal bei „Zeit online“ gelesen, dass heute paradoxerweise v. a. russische und chinesische Firmen die irakischen Öl-Quellen kontrollieren! Exxon Mobil hat zwar auch Zuschläge zur Förderung bekommen, aber eben eher den „Junior-Part“. Stellt sich also die Frage, die ich gerne Herrn Ganser stellen würde, inwiefern die USA heute den Irak und seine Öl-Quellen „beherrschen“…

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  3. hardy

    ich hab‘ mich eigentlich immer eher befreit gefühlt. als ich in den 90ern mal ein paar monate für die „grande armee“ in trier als programmierer gearbeitet habe, hat mich mein chef mal gefragt, warum ich – als kriegsdienstverweigerer und deutscher – für sie arbeiten wollte, habe ich mit de gaule geantwortet „ich mag deutschland so sehr, am liebsten hätte ich drei davon“ und „äh, ihr seid doch hier, um mich vor _denen_ zu beschützen“. sehe ich noch heute so 😉

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