Udo Ulfkotte bei KenFM: ‚Wir sind eine Kolonie der Amerikaner‘

Udo Ulfkotte bei KenFM: ‚Wir sind eine Kolonie der Amerikaner‘  (1)

Jebsen: „Ist das eine Verschwörungstheorie? Oder können Sie das beweisen“? Ulfkotte: „Nö“

KenFM ist ein Promokanal für solche, die gerne von Verschwörungen lamentieren. Ken Jebsen macht dies oft, und offensichtlich gern. Bei KenFM, dem offiziellen Kanal der Montagsquerfront, versammeln sich alle möglichen fragwürdigen Interviewpartner. Mit diesen wird dann, dies ist gerade bei den letzten Interviews augenfällig, stets ein Gefälligkeitsgspräch geführt, in welchem sich gegenseitig in seinen geistigen Versteigungen gestützt wird. Letzte Beispiele hierfür stellen das Interview mit Martin Lejeune (2) oder Ramsis Kilani (3) dar. Genau dies ist in dem neu erschienenen Interview Jebsen-Ulfkotte  erneut bemerkbar. Gegenseitig werden Ressentiments bestätigt. Ken Jebsen betreibt Cherry-Picking, sucht sich für sich brauchbare Äusserungen Ulfkottes heraus, welche Jebsens bisherigen Äusserungen stützen können – und in die Argumentationsweise der ‚Mahnwachen‘-Bewegung passen:

Ulfkotte lebte ein beschauliches Leben mit seiner Landwirtschaft im Westerwald, wären da nicht die hinterlistigen Kollegen. Über die Ulfkotte in seinem neuesten Bestseller ‚auspackt‘. Ken Jebsen dient ihm den Ruf des „Nestbeschmutzers“ an, auch fragt er ihn, ob er Verschwörungstheoretiker sei. Es ist lustig, der stets in Konditionen von Verschwörungen denkende Jebsen, der sich selbst immer wieder mal als whistleblower bezeichnet, führt erneut ein selbstbestätigendes Gespräch. Quintessenz des Gesprächs ist zusammengefasst, dass es eine „Gleichschaltung“ (neben ‚zionistischer Weltherschaft‘, 9/11 und ‚Israelkritik‘ gewiss eines seiner Lieblingsthemen) gebe. Ulfkotte habe selbst „desinformiert“ und habe „Propaganda gemacht“. So bringt er sich in den Ruf des weisen Aussteigers der verkündigt: „Das muss sich ändern“. Ken Jebsen, der sich selbst immer wieder als zu Unrecht in Gnade gefallenen Journalisten aufspielt, dem als (es ist eben in Mode) whistleblower übel mitgespielt worden sei, interviewt also wieder einmal einen ‚Whistleblower‘. Diese unzulässige Ausdehnung des Begriffs auf sich hat Jebsen schon öfters vollzogen – er will sich offenbar im Abglanz Snowdens sonnen.

In diesem Gespräch werden keine kritischen Fragen gestellt – keine Fragen zu Ulfkottes Muslimhetze, kein Wort zu Ulfkottes fragwürdigen Büchern wie „Warum der Islam rückständig ist“ oder „Bürgerkrieg in Deutschland“. Komisch. Redet Jebsen nicht ansonsten auch über ‚Islamophobie‘, welche geschürt werde? Warum stellt er dem Mann mit dem Schürhaken keine Frage? Jebsen wird über das komplette Interview keine Frage zu diesem Komplex stellen – dafür aber zu anderen, ihm wohlgefälligeren, querfrontkompatibleren Themen, zum Beispiel zu dem Komplex ‚Amerikanische Weltherschaft“.

Lustig: Bei Minute 0:15:55 versucht Jebsen offensichtlich, ein Statement zu Israel zu bekommen. Zum wahrscheinlichen Bedauerns Jebsens aber geht Ulfkotte hierauf nicht weiter ein, thematisiert nicht Israel. „Wie ist denn das Verhältnis der deutschen Journalisten generell zu dem was wir hier  sehr gut können, Sie haben Israel angesprochen, also, Waffen zu exportieren und dann auszublenden, was mit diesen waffen geschieht?“

Jebsen findet in dem Interview aber dafür Raum, sich und KenFM wieder einmal als Dorn im Auge der Mächtigen zu präsentieren. Als Ulfkotte von Berichten über uranversetzte Munition redet, findet er eine Stelle um zu betonen: „Wir selber haben, als wir noch beim Öffentlichen Rundfunk waren, selber eine 4-Stunden Sendung zum Thema Depleted Uranium gemacht, und das was wir an Bildern gesendet haben, hat enorme Wellen geschlagen, später auch in meiner beruflichen Karriere, weil das hat mit dazu beigetragen, dass man gesagt hat, dieser Mann spricht über Dinge die wollen wir hier nicht haben im Öffentlich Rechtlichen“ (20:15) Jebsen ist wie ein Chamleön – was seine Gsprächspatner auch sind oder haben – er will es offensichtlich auch. Hat er denn nicht eher wegen seines paranoiden Gewäschs über 9/11 und ‚Zionisten‚,  und einer Email, deren Inhalt Henryk M. Broder öffentlich machte, keine Aufträge mehr für eine Jugendsendung bekommen? Sagt er das nicht selbst immer?

Ab Minute 55:00 schweifen Jebsen und Ulfkotte über Macht von Think-Tanks aus: Jebsen zählt auf: „Bilderbergerkonferenz, Aspen-Institut„. Ulfkotte: „Rothschild“ gehört auch dazu, oder ~und Rockefeller~?

Rockefeller und Rothschild dürfen natürlich nie fehlen!

Bei 1:12:00 kommt Ken Jebsen auf den Einfluss gewichtiger Personen auf die Presselandschaft zu sprechen. Ob, wie Scholl-Latour einmal gesagt habe (den sich Jebsen brüstet, fast noch vor die Kamera bekommen zu haben), nur fünf Menschen diese beherrschten, fragt Jebsen Ulfkotte nach seiner Schätzung.  Ulfkotte gibt die hochprofesionell wirkende Schätzung von achtzig einflussreichen Menschen weltweit an. Profis unter sich. Gut, dass wir nun Bescheid wissen!

Es gibt noch eine märchenhafte Frage, und eine Antwort zu dem von Jebsen gerne übertrieben dargestellten amerikanischen Einfluss auf die Presselandschaft. Jebsen:Ist Kai Diekmann als Chef der Bildzeitung und Vorstand der Antlantikbrücke (bricht ab) – hat Kai Diekmann ein Sonderrolle in Deutschland“. Die habe er ganz sicher. Ulfkotte: „Die Bundeskanzlerin könnte sehr schnell am Ende sein, wenn Kai Diekmann eine Geschichte über ihre Vergangenheit veröffentlichen könnte(…)ich glaube ich bin subjektiv davon überzeugt, dass es Material über Angela Merkel gibt, weil sie gerade in der Russland-Politik einen völlig anderen Kurs fährt als Schröder oder Helmut Kohl, der mit Jelzin befreundet war, als die es gemacht haben – da nehm ich an, dass es etwas gibt und Kai Diekamnn hätte die Macht die Kanzlerin von heute auf morgen zu stürzen“ . Hätte der beschriebene (und ja hier nicht erstmals kritisierte, wohl aber ‚kreativ gedachte‘) Einfluss der Bild nicht auch ohne Konstruktion von Verschwörungsgeschichten auskommen können?

Jebsen: „Gibt es solche Akten auch über Herrn Gauck“? Ulfkotte: „Ja sicher, ich bin subjektiv davon überzeugt“. Jebsen:  „Aber wer lenkt denn dann diese Republik“? Ulfkotte:  „Naja, die einflussreichsten Familien, jetzt kommen wir auf das Feld der angeblichen Verschwörungstheorie, ich bin überzeugt davon dass die Politik im Hintergrund wie an einem seidenen Faden die deutsche Politik in Wahrheit in Washington gemacht wird und ganz sicher nicht in der Bundesrepubkik Deutschland“. Jebsen: „Also was sie andeuten, man kann deutsche Politiker und damit die deutsche Regierung und den Kurs durch die deutsche Presse manipulieren, deren Mitglieder aber oft in amerikanischen Thinktanks sitzen“ ? Ulfkotte: „Ja“. Jebsen: „Wie gehen sie damit um. Also entscheiden wir noch, ob wir in einen KRiege mit Russland eintreten, wie immer der aussieht“? Ulfkotte: „Nein, das eintscheiden wir nicht mehr(…)es ist bei allen Umfragen nicht gewollt dass deutsche Soldaten nach Afghanistan geschickt wurden…wir sind eine Kolonie der Amerikaner, wir sind ganz bestimmt nicht diese angebliche Demokratie“.

Bei 1:19:00: Jebsen: „Es müsste doch den Bürgern langsam dämmern, aber vor allem es müsste doch den Journalisten und Machthabern langsam dämmern, dass die Bevölkerung in Größe das nicht mehr glaubt“. Ulfkotte: „Sie (die Journalisten) haben keine Zukunft außerhalb des Systems“. In Folge träumt Ulfkotte nun einmal wieder von seinem Steckenpferd, dem Zusammenbruch des Systems. Jebsen fragt nun die nächste Buch-Promo-Frage: Und zwar nach dem bösen Euro – ob er denn wirklich von Kohl und Mitterand erdacht wurde, ob er eine gute Idee war? (1:20:00). Ulfkotte bezieht sich in seiner Antwort auf Informationen aus einem Artikel der Frankfurter Rundschau, dass der Euro auf einer Bilderberger-Konferenz „entwickelt“ worden sei, um von der Regierung gegen den ‚Mehrheitswillen des Volkes durchgedrückt‘ zu werden. Nach Recherchen ist allerdings kein solcher Artikel bei der Frankfurter Rundschau zu finden. Aus diesem Grunde ist auch die seltsame Beantwortung der Frage Jebsens, ob Ulfkotte dies beweisen könne, interessant: „Ist das eine Verschwörungstheorie oder können Sie das beweisen“? Ulfkotte: „Nö“.

1:28:30 Weiterhin versteht Ulfkotte nicht „wenn die öffentlich rechtlichen so einschimpfen über die Propaganda Putins…weil, wir haben ja die selben Staatssender“.

Jebsen: „Sie sagen ja, Deutschland ist eine amerikanische Aussenkolonie. War das (Presse) schon immer Propaganda, und sie haben es einfach nicht gemerkt. Hat sich denn der Journalismus mit dem Schlüsseldatum 11. September nochmal geändert – seitdem ist ja der Begriff „embedded“ in aller Munde“? Ulfkotte:

Jebsen: „Ist Diekmann ein Journalist, ist er ein Demokrat, ist er ein Thinktank-Mitarbeiter?“ Ulfkotte: „Er ist ein positiv formulierter Puppenspieler.“ Jebsen:Handelt er auch im Auftrag, ist er selbst eine Puppe“?  Ulfkotte: „Er selbst wird das nicht so sehen dass er im Auftrag handelt, aber ich sehe ihn nicht als den unabhängigen an, der er nach aussen zu sein scheint. Er ist selbstverständlich sehr proamerikanisch und macht dort Dinge, die die Mehrheit der Deutschen nicht versteht. Die Mehrheit der Deutschen will beispielsweise keine -die Türkeit nicht in der EU- haben“. Jebsen: „Er schon“, Ulfkotte:Er schon, selbstverständlich, er ist nicht derjenige der auf der Seite der Mehrheit der Deutschen steht, sondern der amerikanische Interessen glasklar vertritt aus meiner Sicht.“

Wähnen sich Jebsen und Ulfkotte wirklich auf der Seite ‚der Mehrheit der Deutschen‘? Was für eine Selbstüberschätzung! Dies finde ich interessant, da es einiges über die Selbstverliebtheit der beiden aussagt, auch sagt es einiges über deren sich wohl hieraus ableitende Legitimation, ihr Selbstverständnis über ihr Handeln aus. Jebsen hat in diesem Interview einmal mehr bewiesen, dass er kein guter Journalist ist, sondern beständig nur nach Bestätigung seiner wirren Thesen zu suchen scheint (und an seinem ‚Weggang‘ bei den ÖR noch heute knabbert und nach für sich verträglicheren Gründen sucht). Eine Eigenschaft, die er sich wohl mit vielen seiner Interviewgäste teilt. Wieder einmal wurde ein langes Interview wohl vor allem nur aus Publicity, Selbstverliebtheit und der Suche nach Bestätigung heraus gemacht. Ken Jebsen, der sich als ‚freier Journalist‘ bezeichnet, obwohl er über die Spendenbereitschaft seiner Fans am Tropf hängt, kann nun offensichtlich seine Zielgruppe über die eher konservativen und auch teils ausländerfeidnlichen Ressentiments aufsitzenden Ulfkotte-Fans erweitern, Ulfkottes ‚Glanz‘ hingegen kann noch stärker in die ‚Friedenswinter‘-Bewegung abstrahlen, und diese Gruppe mit Argumenten für ihr Tun -und vor allem ihr Versagen– unterfüttern.

Zum Ende des Interviews sagt Ulfkotte etwas, was die Bedenken der Fans in einem einzigen Satz bündelt: „Da draussen verfällt der Putz an den Wänden, die Schulen werden maroder, die Polizei rationiert das Benzin…wem dient das Ganze einigen wenigen reichen Familien!“ Auch Jebsen hat noch etwas beizutragen, nämlich: „Als Politiker kann ich das Briefing am Kiosk lesen“.

Dass Ulfkotte nach seinen letzten Bestsellern für niemanden mehr etwas „gutschreiben“ kann, der Vorwurf, den er an viele Journalisten richtet, kann man annehmen. Nachdem er nun also wohl keine Gelder und Geschenke mehr annimmt, hat er dieses Buch geschrieben, mit dem er offenbar eine größere Zielgruppe erreicht, als mit seiner Muslimhetze. Die vor diesem Werk veröffentlichten Bücher machten unter anderem Angst vor Einwanderern und muslimischen Mitbürgern. ‚Islamophobie‘? Hat Jebsen nicht schon öfters was zu diesem Thema vom Stapel gelassen? Man könnte ja in diesem Fall vermuten, dass Jebsen die Gelegenheit nutzte, einem antimuslimischen Hetzer ein paar Fragen hierzu zu stellen. Hat er aber nicht getan: Anderthalb Stunden Interview – und an keiner Stelle sprach Jebsen ihn hierauf an. Dafür aber versuchte er wieder einmal, das Gespräch in eine für ihn brauchbare Richtung (Weltverschwörung, Israel, amerikanischer Einfluss) zu lenken. Dass Jebsen hier also lediglich, wie schon gesagt, ein Gefälligkeitsinterview veranstaltete, von dem sich beide „Journalisten“ Klicks und Aufmerksamkeit erhoffen können, dies erscheint überdeutlich. Ulfkotte bekommt so gesteigerte Aufmerksamkeit im pseudolinken Friedenswinterlager – Jebsen macht sich weiterhin bei Ressentimentgeladenen aller Art bekannt, und profitiert so ebenfalls von Ulfkottes Publicity. Neues war nicht dabei, dass Deutschland eine amerikanische Kolonie sei, war schon von Albrecht Müller zu erfahren. Und auch, dass die Rockefellers und Rothschilds irgendwie mit allem zu tun haben, dies hat der geflissentliche KenFM-Fan bestimmt schon aus den ‚Alternativen Medien‘ erfahren

(1) https://www.youtube.com/watch?v=bm_hWenGJKg&list=UUr6VVXep3Fs5EOtjMK3i2AQ

(2) https://nazienkel.wordpress.com/2014/11/25/das-antizionistische-dreamteam-jebsen-lejeune-teil-1/

(3) https://nazienkel.wordpress.com/2014/11/23/jebsen-rockt-mal-wieder/

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7 Gedanken zu „Udo Ulfkotte bei KenFM: ‚Wir sind eine Kolonie der Amerikaner‘

      1. Nazienkel Autor

        PS: Sooo schlecht kommt der Ulfkotte auch nicht weg bei ihm. Er wird auf keinen Fall für seine bisherigen Auswürfe kritisiert, die ja recht umfangreich waren. Man muss sich schon fragen, warum ein rechtskonservativer Spinner, der auch durch Hetzschriften
        auf Muslime, einem verhetzenden Roman über jüdische Welteroberung und Genozid auffiel, vor ‚linker Gegenöffentlichkeit‘ nicht kritisiert wird. Und wenn AM Ken Jebsen ein Interview gibt, so kann man das nur als gegenseitiges Bewerben verstehen. Und hiermit macht AM ebenso Publicity für solche Rattenfänger wie Ulfkotte, etabliert er doch auch deren ‚Kanäle’…

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