Alte Sozialdemokraten, die Querfront und der Kreml

Ein Beitrag bei Deutschlandradio-Kultur von dem NZZ-Autor Jörg Himmelreich, der sich mit möglichen geopolitischen Absichten Russlands unter Putin beschäftigt, wird von Albrecht Müller auf den Nachdenkseiten (1) mit folgender Bemerkung kommentiert:
„Allein dieser konfliktverschärfende Beitrag wäre schon Beleg genug dafür, dass es richtig ist, wenn Russland versucht, seine eigene Gegenöffentlichkeit in Deutschland und in anderen Ländern des Westens aufzubauen. Der Autor ist offensichtlich eingebunden in das transatlantische Netz…)

( 1) http://www.nachdenkseiten.de/?p=24114#h16

Albrecht Müller, der ja mit dem Aufbau seiner eigenen „Gegenöffentlichkeit“ beschäftigt ist, findet es also richtig, wenn „Russland versucht, eine eigene Gegenöffentlichkeit“ in der BRD und „anderen Ländern des Westens“ aufzubauen. Hinweise auf mögliche Absichten vermeintlicher Lobbyisten sind wohl das eine. Politischen Lobbyismus einer anderen Nation aber auf deutschem Boden dann zu befürworten, ist keine schlüssige Argumentation.

Es ist nun fraglich, was Müller unter einer „Gegenöffentlichkeit“ von ihm (also den NDS „der kritischen Website) und von ‚Russland‘ versteht? Sind beide die gleichen ‚Gegenöffentlichkeiten‘? Gibt es Überschneidungen mit der Gegenöffentlichkeit des Front National, die ja auch von ‚Russland‘ (aka Putinokratie) aufgebaut wurde? Gehört Müllers Gegenöffentlichkeit gar auch zu den russischen Aufbauplänen, von denen er hier schwelgt?

Auf jeden Fall sieht Müller diese ‚Aufbaupläne‘ unkritisch. Es ist schon komisch. Eine Internetseite, die früher eher klassisch sozialdemokratische Themen behandelte, macht sich nun also zu einem Sprachrohr des Kreml und verteidigt die expansive ‚Politik‘ in Bezug auf die Ukraine. Also: US-Imperialismus ist böse, sagt der Albi, russischer Imperialismus dagegen knorke: Ist klar, geht ja gegen die bösen Amis…

Ein Hinweis auf mögliche Absichten eines Autoren, die er unterstellt, ist wohl das eine. Aber die von Müller favorisierte, wohl wirklich so von ihm empfundene ‚Gegenseite‘, deren aggressiver Politik und Propagandatechniken er erfrischend unkritisch gegenübersteht, auch noch über den Klee zu loben, dies ist angesichts der Förderung des FN in Frankreich durch den Kreml mehr als fragwürdig (und mal im Ernst – welche Demokratie- und Europagegner werden sonst noch gesponsert?) Oder hält Müller Amerika wirklich einzig für das Reich des Bösen – Russland aber für das des Guten? Es scheint ganz so, christlich-dualistisch durch und durch.

Resümee: Die NDS verlinken zu Querfrontkanälen (KenFM, Antikriegs.tv) und der Betreiber ruft zu den Querfrontmahnwachen auf. Der mit den NDS personell verbandelte Spiegelfechter spricht sich inzwischen ebenfalls für die Querfrontmahnwachen aus, das Publikum dort verlinkt fleißig zu KenFM; nebenbei werden dort Antisemitismen am laufenden Band gepostet. Es gibt wohl bei der Leserschaft viele Fans des Kremlkurses, scheinbar resultierend aus Vorbehalten gegenüber den USA. Ob Müller also aus Konformitätsgründen mit der Querfrontwelle mitgeht? Oder erhofft er sich allen Ernstes politisch-sozialen Fortschritt durch den Umstand, dass eine Autokratur á la Putin gesellschaftlichen Einfluß in Deutschland (und Resteuropa) gewinnt? Ansonsten würde er sich nicht dermaßen unkritisch bezüglich demokratiefeindlicher Propaganda geben (aber halt, es ist wohl das böse Imperium der USA, dass den Aufstieg der Nachdenkseiten aufhält, also muss das auch böse sein), die wohl vor allem Unfrieden säen soll. Und – kommt es Müller nicht eigentlich komisch vor, dass eine Nation in einer anderen eine „Gegenöffentlichkeit“ haben soll? Schließlich echauffiert sich Müller auch über eine „US-nahe Gleichschaltung“ deutscher Medien, diesen Erguss, der sich natürlich überhaupt nicht aggressiv anhört, hat er in selbigem Artikel verlinkt (2). Abgesehen von der unglaublichen Verharmlosung der NS-Zeit kann man sich angesichts dieser doppelmoralischen Haltung fragen, wann Müller eigentlich aufhörte zu denken. Wann spricht er also bei rtdeutsch? Seine Leser würden es ihm wohl danken…

Nachtrag – nun ist es also passiert. Tääätäää: Albrecht Müller kann sich nun bald zum Führer der Querfront aufschwingen: Er hatte sein erstes Interview bei rtdeutsch kurz nach Onlinestellung dieses Beitrags. Es ist so komisch, wie es beängstigend ist…natürlich gab es das ewig gleiche Gewäsch – es gäbe keine Meinungspluralität, die armen NDS würden kleingehalten, da sie zu kritisch seien und rtdeutsch würde nun das Gleiche erfahren. Es ist so billig: Da niemand mit ihm spricht, außer rt, verteidigt er rt und nutzt die gebotene Fläche. Seine Fans werden bestimmt jubeln, es war absehbar. Nun ist wohl auch der Kurs seiner Adepten beim Spiegelfechter erklärt.

(2) Siehe auch bei Herr Karl
http://herrkarlsblog.blogspot.de/2014/11/jens-berger-und-die-zuruckhaltende.html?m=1

Advertisements

5 Gedanken zu „Alte Sozialdemokraten, die Querfront und der Kreml

    1. Nazienkel Autor

      Danke für den Hinweis. Es wird ja immer doller. Da hilft wohl keine Aufklärung, da hilft nur der Arzt. Was wohl seine Familie hierzu sagt? Also, wenn mein Vater in die Fänge von Kremlisten und braunen Esofaschos geriete – ich würde mich sorgen…

      Gefällt mir

      Antwort
    1. Nazienkel Autor

      😏
      Nichts zu danken, hatte schon überlegt, ob das eventuell auch gegen deine ‚Privatsphäre‘ geht. Aber – die Infos über die ‚Querfront-Infokrieger‘ sollen ja auch unter die Leute kommen, nicht wahr?

      Gefällt mir

      Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s